Kapitel III.2. Die Informationsmacht von Google

Inhaltsverzeichnis

III.2.1. Restrukturierung der Wahrnehmung von Nutzern
III.2.2. Grenzen der Suchmaschinentechnologie
III.2.2.1. Mangelnde Erfassung des WWW
III.2.2.2. Manipulation der Suchergebnisse
III.2.3. Umgang der befragten Studenten mit Suchmaschinen

Ließen die Internetnutzer sich noch vor wenigen Jahren mehr oder weniger ziellos im WWW umhertreiben, um zu sehen, was dieses neue Medium für sie bereithält, suchen sie heutzutage zielgerichtet nach Informationen. Die zentrale Schnittstelle zwischen Nutzer und Information nehmen dabei Suchmaschinen ein.[125] Sie scheinen die einzigen Hilfsmittel zu sein, mit denen die ständig anwachsende Informationsflut im Internet bewältigt werden kann und beeinflussen dadurch den Umgang der Nutzer mit Informationen und Wissen. Der Suchmaschinenmarkt selbst ist jedoch hoch monopolisiert. Google hält alleine über 83% Marktanteil,[126] den Rest teilen sich fast vollständig Yahoo und Microsoft mit seinem Suchdienst MSN. Suchmaschinen und insbesondere Google kontrollieren damit den Zugang zu Informationen im Netz. Dennoch werden sie als nahezu unfehlbar und allwissend angesehen, das Fehlen einer redaktionellen Kontrolle der Information wird hingegen oft ausgeblendet.[127]

Dies bestätigt eine Umfrage des „Pew Internet and American Life Project“. Danach sind 68% der Amerikaner davon überzeugt, dass Suchmaschinen objektive Informationsquellen sind. Ganze 87% behaupten sogar, dass ihre Suche meist zum gewünschten Ziel führt. Auf der anderen Seite konnte nur jeder 6. Umfrageteilnehmern zwischen Werbung, mit der sich die Suchmaschinen finanzieren, und normalen Suchausgaben unterscheiden.[128] Dies zeigt, dass viele Nutzer mit einer gewissen Naivität an Suchmaschinen herangehen.

Wer sich bei der Recherche allein auf Suchmaschinen verlässt, begibt sich damit auf Glatteis. Es besteht die Gefahr, das alles, was nicht von Google gefunden wird, als nicht existent angenommen wird.[129] Wenn nur das für fachlich relevant gehalten wird, was die Nutzer über Suchmaschinen finden, und darüber die Benutzung von fachspezifischen Datenbanken und die Konsultation traditioneller, nicht-elektronischer Medien vernachlässigt wird, zeugt dies hingegen von mangelnder Medien- und Informationskompetenz.[130] Daher soll in den folgenden Kapiteln erörtert werden, wie das Informationsmonopol der Suchmaschinen die Wahrnehmung der Nutzer beeinflusst und wo die Schwächen der Suchmaschinen liegen.



[126] Vgl. Seo-consulting.de, <Suchmaschinen Ranking (Marktanteile)>, online unter: http://www.seo-consulting.de/pages/20040402-ranking-suchmaschinen.phphttp://www.seo-consulting.de/pages/20040402-ranking-suchmaschinen.php (in einem neuen Fenster), Stand: 30.01.2006, Abruf: 25.06.2006.

[127] Vgl. Hendrik Speck/Frédéric Philipp Thiele, „Google, Gossip & PR-ostitution. Das Geschäft einer Suchmaschine“, in: Kai Lehmann/Michael Schetsche (Hg.), Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens, Bielefeld 2005, S. 181.

[128] Vgl. Deborah Fallows, „Reports: Online Activities & Pursuits“, 23.01.2005, online unter: http://www.pewinternet.org/PPF/r/146/report_display.asphttp://www.pewinternet.org/PPF/r/146/report_display.asp (in einem neuen Fenster), Abruf: 26.06.2006.

[130] Vgl. Rainer Kuhlen, „Macht Google autonom? Zur Ambivalenz informationeller Autonomie“, in: Kai Lehmann/Michael Schetsche (Hg.), Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens, Bielefeld 2005, S. 393.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier