III.1.2.1. Urheberschaft

Urheberschaft“ betrifft zunächst den Autor eines Textes selbst, welcher in jedem Fall klar genannt sein sollte. Folgende Fragen sollen dabei helfen, die Vertrauenswürdigkeit und Qualifikation des Autors einzuschätzen: Ist der Autor ein bekannter Experte auf seinem Gebiet? Liefert die Website biografische Informationen zum Autor wie seine Ausbildung, akademische Titel und seine derzeitige berufliche Tätigkeit? Existieren Kontaktdaten des Autors wie E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Postadresse? Verfügt der Autor über gute Referenzen? Wird er von einer vertrauenswürdigen Instanz in positiver Weise erwähnt? Wurde die Seite von einer vertrauenswürdigen Website aus verlinkt? Rückschlüsse auf das Fachwissen eines Autors lassen sich außerdem über die Nennung wissenschaftlicher Quellen, Theorien und Denkschulen sowie eine Diskussion von Möglichkeiten und Grenzen von Forschungsmethoden ziehen.[94]

Falls das Dokument nicht auf der privaten Website des Autors veröffentlicht wurde, sollte man versuchen zu klären, welche Organisation für die Web-Präsenz verantwortlich ist. Wie beim Autor sollte man sich fragen, welchen Ruf die Organisation in der Fachwelt genießt, wie vertrauenswürdig sie ist und ob Kontaktdaten auf der Website zu finden sind. Weiterhin sollte bekannt sein, wer der Webmasterschlage den Begriff Webmaster im Glossar nach der Website ist.[95] Von Bedeutung ist auch, in welchem Verhältnis der Autor zum Betreiber der Website steht. Ein Dokument, das beispielsweise Teil des Webauftritts einer Universität ist, kann von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter oder Professor, aber auch von einem Studenten stammen.[96]

Es kommt immer wieder vor, dass einzelne Dokumente nicht in das Corporate Design eingebunden sind und Links zur Hauptseite fehlen. Man kann nun versuchen, den Betreiber der Website dadurch herauszufinden, dass man in der Ordnerstruktur der Website „nach oben“ wandert, also in den darüber liegenden Ordner wechselt, indem die URL schrittweise um jeweils einen Ordner gekürzt wird. Die Ordner sind in der URL durch einfache Schrägstriche getrennt. Angenommen es gäbe eine Seite http://www.uni-passau.de/tutorien/geschichte/mittelalter.html. Dies bedeutet, dass das Dokument „mittelalter.html“ im Ordner http://www.uni-passau.de/tutorien/geschichte/ liegt. Wenn die Startseite dieses Ordners ebenfalls keine Informationen hinsichtlich des Betreibers liefert, sollte man die URL um „geschichte/“ kürzen, um so in den darüber liegenden Ordner http://www.uni-passau.de/tutorien/ zu wechseln. Ein letzter Schritt wäre es, die URL http://www.uni-passau.de auszuprobieren. Der Besitzer einer Domain, also dem Teil der URL zwischen dem „www.“ und dem ersten Schrägstrich, kann über den Dienst „who.is“ (http://www.who.ishttp://www.who.is (in einem neuen Fenster)) ermittelt werden. Dies verrät zwar nichts über den Autor eines bestimmten Dokuments, die Kontaktdaten des Domainbesitzers können aber zu Nachfragen herangezogen werden.[97]

Sollte diese Herangehensweise zu keinem Ergebnis führen, kann man versuchen, aus der Domain Rückschlüsse zu ziehen. Hier sollte man zuerst die Top-Level-Domainschlage den Begriff Top-Level-Domain im Glossar nach betrachten. Allgemeine Top-Level-Domains sind nicht an ein Land gebunden und bestehen aus drei oder mehr Buchstaben. Beispielsweise ist .com für kommerzielle Angebote gedacht, eine .org-Domain verweist hingegen meistens auf eine nicht profitorientierte Organisation. Die meisten renommierten Fachmagazine arbeiten gewinnorientiert und haben eine .com-Adresse, die Artikel haben aber das „peer review“ durchlaufen und genügen wissenschaftlichen Standards. Ansonsten ist bei diesen Top-Level-Domains Vorsicht geboten: Die auf diesen Seiten publizierten Arbeiten haben oft den Zweck, die ideologische Ausrichtung oder die Ziele der Organisation zu untermauern.[98] In den USA sind .edu für Bildungseinrichtungen und Hochschulen und .gov für staatliche Organe reserviert. Websites mit diesen Domains gehören zu den verlässlichsten Ressourcen im Internet, wenn es um Informationen zur Geschichte geht.[99] Daneben existieren länderspezifische Top-Level-Domains, die aus nur zwei Buchstaben bestehen. Ein Beispiel hierfür wäre .de für Deutschland oder .fr für Frankreich. Eine Übersicht über alle derzeit gebräuchlichen Top-Level-Domains liefert der Wikipedia-Artikel „Top-Level-Domain“ auf http://de.wikipedia.org/wiki/Top-Level-Domainhttp://de.wikipedia.org/wiki/Top-Level-Domain (in einem neuen Fenster).

Die Analyse der Top-Level-Domain allein ist allerdings unzuverlässig. Dies liegt zum einen daran, dass für die Vergabe der Top-Level-Domains .com, .org sowie .net nur sehr geringe Voraussetzungen erfüllt sein müssen und von beinahe jedem eine Domain mit einer dieser Top-Level-Domains erworben werden kann. Ihre ursprüngliche Bedeutung ist damit weitgehend verloren gegangen. Zum anderen lassen länderspezifische Top-Level-Domains keinerlei Rückschlüsse auf den Besitzer der Domain zu. So sind in Deutschland sowohl Hochschulen als auch Behörden und Unternehmen unter einer .de-Domain erreichbar. Unter Umständen lässt der Domainname ein bekanntes Unternehmen oder Institut erkennen. Ein „uni“ im Domainnamen lässt zudem auf eine Universität schließen, ein „fh“ auf eine Fachhochschule. Private Websites tragen manchmal den Namen des Besitzers in der Domain oder an anderer Stelle in der URL. Auch eine Tilde (~) oder Wörter wie "home", "users", "members" und "people" in der URL sind Hinweise auf private Angebote.[100] Daneben bieten einige Provider wie T-Online, Lycos oder Freenet ihren Kunden kostenlosen Speicherplatz für eine Website an. Auch dieser wird in erster Linie von Privatpersonen benutzt.

Wenn alle Stricke reißen, kann man versuchen, über eine Suchmaschine weitere Informationen zum Autor und zum Websitebetreiber aufzufinden. Ob sich dieser Aufwand rechtfertigt, muss man jedoch im Einzelfall entscheiden. Wenn bereits elementare Informationen zum Autor fehlen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Quelle ohnehin zweifelhafter Natur ist. Dokumente, auf denen Angaben zum Verfasser oder der dahinterstehenden Institution fehlen, sollten daher in wissenschaftlichen Arbeiten nicht verwendet werden.[101]



[94] Vgl. Kirk 1996.

[95] Vgl. University Library at the Jean and Charles Schulz Information Center, „Evaluating Web Resources“, 06.10.2005, online unter: http://library.sonoma.edu/research/subject/eval.htmlhttp://library.sonoma.edu/research/subject/eval.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 02.09.2006.

[96] Vgl. Reagan 2002, S. 55.

[97] Vgl. Müller 2003, S. 64.

[98] Vgl. McMichael 2005, S. 39.

[99] Vgl. Jessica Lacher-Feldman, „Evaluation of Internet Content“, in: Dennis A. Trinkle/Scott A. Merriman (Hg.), The World History Highway. A Guide to Internet Resources, Armonk 2002, S.28.

[100] Vgl. Joe Barker, „Evaluating Web Pages: Techniques to Apply & Questions to Ask“, 2005, online unter: http://www.lib.berkeley.edu/TeachingLib/Guides/Internet/Evaluate.htmlhttp://www.lib.berkeley.edu/TeachingLib/Guides/Internet/Evaluate.html (in einem neuen Fenster), Stand: 22.03.2005, Abruf: 22.10.2006.

[101] Vgl. Müller 2003, S. 64.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier