III.1.1. Aufwand der Qualitätskontrolle

Wer heute im Internet recherchiert, steht in der Regel nicht vor dem Problem, zu wenige Quellen zu einem bestimmten Thema zu erhalten, sondern zu viele. Die Qualität der Quellen wiederum kann sowohl sehr gut als auch sehr schlecht sein. Die Gefahr, Online-Angebote schlechter Qualität zu nutzen, ist auch dadurch größer, dass im Internet jeder seine Gedanken publizieren kann und eine Kontrollinstanz wie z.B. bei Printmedien fehlt. Somit kommt der Recherchierende meist nicht umhin, selbst Websites zu bewerten und ihren Nutzen abzuschätzen.[90]

Bei der Beurteilung der geschichtswissenschaftlichen Qualität einer Website lassen sich im Grunde dieselben Methoden anwenden, die auch für gedruckte Veröffentlichungen gelten. Dazu kommen allerdings noch weitere, technisch bedingte Kriterien, die die kritische Betrachtung von Online-Ressourcen erschweren. Da sich im Gegensatz zu gedruckten Erzeugnissen noch keine Standards wie Titelblattgestaltung, Klappentexte, Inhaltsverzeichnis oder Register herausgebildet haben, die einen schnellen Überblick über Inhalt und Arbeitsweise des Autors geben, und Hyperlinks die Grenzen zwischen verschiedenen Veröffentlichungen verschwimmen lassen, ist eine Vorabbeurteilung einer Website ungleich problematischer.[91] Dadurch kann die Beurteilung der wissenschaftlichen Eignung einer Website derart aufwändig werden, dass die vermeintlich einfache und schnelle Suche im Internet keine Zeitersparnis mehr gegenüber der Suche in der Bibliothek und der Konsultation gedruckter Werke bietet.[92]



[90] Vgl. Elizabeth E. Kirk, „Evaluating Information Found on the Internet“, 1996, online unter: http://www.library.jhu.edu/researchhelp/general/evaluating/http://www.library.jhu.edu/researchhelp/general/evaluating/ (in einem neuen Fenster), Abruf: 02.09.2006.

[91] Vgl. Wilfried Enderle, „Der Historiker, die Spreu und der Weizen. Zur Qualität und Evaluierung geschichtswissenschaftlicher Internetressourcen“, in: Peter Haber/Christophe Koller/Gerold Ritter (Hg.), Geschichte und Internet. Raumlose Orte - Geschichtslose Zeit, Geschichte und Informatik, Bd. 12, Basel 2002, S. 49, online unter: http://www.hist.net/hs-kurs/qualitaet/doku/enderle_qualitaet.pdfhttp://www.hist.net/hs-kurs/qualitaet/doku/enderle_qualitaet.pdf (in einem neuen Fenster), Abruf: 02.09.2006.

[92] Vgl. Matthias Müller, Alte Geschichte online. Probleme und Perspektiven althistorischen Wissenstransfers im Internet, Computer und Antike, Bd. 6, St. Katharinen 2003, S. 99.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier