II.9.3. Nutzen und Validierung von Publikationsservern

Da Dokumentenserver fast ausschließlich von Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen betrieben werden, sind sie eine sehr zuverlässige Quelle. Veröffentlicht werden nur solche Arbeiten, die die akademischen Standards erfüllen. Der Mehrwert gegenüber den gedruckten Publikationen besteht in der schnelleren und zudem kostenlosen Verfügbarkeit aktueller Forschungsergebnisse. Dank des elektronischen Formats ist zudem die Einbindung von Hyperlinks und multimedialen Elementen wie Bildern, Animationen, Videosequenzen oder Tonaufnahmen möglich. Auch für den Autor kann eine Veröffentlichung auf einem Dokumentenserver vorteilhaft sein: Die sofortige weltweite Verfügbarkeit sichert eine potentiell höhere Verbreitung der Arbeit. Außerdem kann, je nach Promotionsordnung, die Veröffentlichungspflicht bereits mit einer Publikation auf einem Dokumentenserver erfüllt sein und der Doktorand so schneller seinen Titel erlangen. Dies schließt eine spätere Verlagsveröffentlichung jedoch nicht aus.

Der größte Schwachpunkt der Dokumentenserver ist die bislang vergleichsweise geringe Anzahl an Arbeiten, die auf ihnen veröffentlicht werden. Da diese Art der Publikation erst in den letzten Monaten und Jahren eine gewisse Verbreitung erfahren hat, sind ältere Werke zwar in gedruckter Form erschienen, nicht aber auf Dokumentenservern zu finden. Andererseits erscheinen auch nicht alle aktuellen Dissertationen und Forschungsarbeiten frei zugänglich auf Dokumentenservern. Bisher besteht für Wissenschaftler höchstens eine Empfehlung, keinesfalls aber eine Verpflichtung, diesen Weg der Veröffentlichung zu wählen. Fachverlage und Fachmagazine locken mit ihrem Renommee, verlangen aber meist eine vollständige Übertragung der Rechte am Werk. Eine zusätzliche, freie Veröffentlichung ist dann nicht mehr möglich. Hier treffen der Wunsch der Wissenschaftler nach möglichst freiem Zugang zu Forschungsergebnissen und die kommerziellen Interessen der Verlage aufeinander. Da dieser Konflikt auch eine politische Dimension hat, wird er im Kapitel „Open Access eingehender erläutert.

Bislang ist auf den Dokumentenservern, insbesondere in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen, wenig zu finden. Es empfiehlt sich daher, die Recherche auf den Publikationsservern immer mit einer Suche in Bibliothekskatalogen, Literatur- und Aufsatzdatenbanken zu ergänzen, um eine möglichst komplette Übersicht über die zu einem Thema vorhandene Forschungsliteratur zu erhalten. Suchmaschinen sind zur Suche nach frei zugänglicher, wissenschaftlicher Literatur hingegen wenig geeignet, da diese in der Masse der Treffer unterzugehen droht.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier