II.8.1.2. Newsgroups

Da das Usenet dezentral organisiert ist, sind viele Newsgroups über mehrere Newsserverschlage den Begriff Newsserver im Glossar nach zugänglich. Andererseits bieten Newsserver nicht alle existierenden Newsgroups an. In einem ersten Schritt muss daher zunächst eine passende Newsgroup gefunden werden, im zweiten Schritt dann ein Newsserver, der diese Newsgroup anbietet.

Um Newsgroups finden zu können, muss man wissen, dass ihre Namen hierarchisch geordnet sind und zahlreiche, meist aus dem Englischen entlehnte Kürzel verwendet werden. So steht beispielsweise „soc“ für Gesellschaft, „sci“ für Wissenschaft, „misc“ für Verschiedenes und „de“ für das deutsche Usenet.[74] Der Name einer Newsgroup zeigt seine thematische Zugehörigkeit an. Beispielsweise befassen sich alle Newsgroups, die mit „de.sci“ beginnen, mit Wissenschaft und sind in deutscher Sprache geführt, darunter auch die Newsgroup „de.sci.geschichte“. Ein anderes Beispiel sind die englischsprachigen Newsgroups zu Gesellschaftswissenschaften unter „soc“, unter anderem „soc.history“ für Geschichte allgemein und „soc.history.medieval“ für mittelalterliche Geschichte. Newsgroups können über „Google Groups“ (http://groups.google.dehttp://groups.google.de (in einem neuen Fenster)) und über die Newsserver-Suchmaschine „Findolin“ (http://www.muenz.comhttp://www.muenz.com (in einem neuen Fenster)) gefunden werden.

Abbildung II.8.2. Bildschirmausschnitt: Newsgroup-Suche mit Findolin (11.09.2006)

Bildschirmausschnitt: Newsgroup-Suche mit Findolin

Als Nächstes muss man herausfinden, welche Newsserver die gewünschte Newsgroup anbieten. Viele Providerschlage den Begriff Provider im Glossar nach wie T-Online oder Freenet, aber auch Universitäten bieten selbst Newsserver mit zahlreichen Newsgroups an. Falls zur Teilnahme Benutzername und Passwort erforderlich sind, kann man sie vom Provider bzw. dem Rechenzentrum der Universität erfahren. Ansonsten muss man auf öffentliche Newsserver zurückgreifen. Die bereits erwähnte Suchmaschine Findolin kann eine Liste mit Adressen von öffentlichen Newsservern ermitteln, welche eine bestimmte Newsgroup zur Verfügung stellen. Da man nicht auf allen Servern Schreibrechte, sondern oft nur Leserechte bekommt, sollte man bei der Suche die Option „Posting allowed“ abhaken, sofern man aktiv an einer Newsgroup teilnehmen will. Die meisten öffentlichen Newsserver bieten allerdings nur lesenden Zugriff, da der Unterhalt von Newsservern kostspielig ist. Auch sollte man sich nicht wundern, wenn man plötzlich vor verschlossenen Türen steht, weil die Konfiguration eines Newsservers geändert und der öffentliche Zugang gesperrt wurde. Wer ständig im Usenet unterwegs ist, sollte daher in Betracht ziehen, sich einen kostenpflichtigen Zugang zuzulegen und dafür garantierten, zuverlässigen Schreibzugriff auf die Newsgroups seiner Wahl zu bekommen.

Grundsätzlich gibt es nun zwei verschiedene Möglichkeiten, eine Newsgroup zu abonnieren. Die erste Variante ist der Zugriff mit speziellen Newsreadern oder mit E-Mail-Programmen mit Newsgroup-Funktionalität. Eine Anleitung für „Outlook Express“ kann auf http://www.magic-point.net/suche/suchziele/s_koerper1/s_usenet/s_usenetgrundlagen/s_usenetgrundlagen.htmlhttp://www.magic-point.net/suche/suchziele/s_koerper1/s_usenet/s_usenetgrundlagen/s_usenetgrundlagen.html (in einem neuen Fenster) gefunden werden. Allerdings besitzt dieses Programm im Usenet einen schlechten Ruf, da es nur mit Mühe dazu zu bringen ist, Usenet-konforme Nachrichten zu verfassen. Empfehlenswerter sind andere E-Mail-Programme wie „Eudora“, „Pegasus Mail“ oder „Mozilla Thunderbird“. Eine bebilderte Anleitung für Thunderbird findet man auf http://www.thunderbird-mail.de/hilfe/dokumentation1.5/konto_newsgruppe_einrichten.phphttp://www.thunderbird-mail.de/hilfe/dokumentation1.5/konto_newsgruppe_einrichten.php (in einem neuen Fenster). Beim Abrufen neuer Nachrichten werden, um die Menge der zu übertragenden Daten zu reduzieren, zunächst nur die Kopfzeilen übertragen. Die Nachricht wird erst dann ganz geladen, wenn sie angeklickt wird.

Abbildung II.8.3. Bildschirmfoto: Lesen der Newsgroup „de.sci.geschichte“ mit Mozilla Thunderbird (07.10.2006)

Bildschrimfoto: Lesen der Newsgroup de.sci.geschichte mit Mozilla Thunderbird

Wer den Aufwand scheut oder Berührungsängste mit der Technik hat, dem steht eine weitere Möglichkeit zur Teilnahme an Newsgroups zur Verfügung. Die Google Groups stellen eine kostenlose WWW-Schnittstelle zu zahlreichen Newsgroups zur Verfügung. Um hier Newsgroups abonnieren zu können, muss zuerst ein Google-Konto angelegt werden, sofern man noch keines besitzt. Das Lesen und Schreiben von Beiträgen kann dann bequem mit dem Browser durchgeführt werden. Der Vorteil dieser Methode ist die unkomplizierte Bedienung über den Browser, da die Konfiguration eines E-Mail-Programms oder eines Newsreaders unerfahrene Benutzer vor eine schwierige Aufgabe stellen kann. Auch die Suche nach öffentlichen Newsservern entfällt dabei. Ein Nachteil ist, dass man zum Lesen und Schreiben von Beiträgen mit dem Internet verbunden sein muss und sie nicht „offline“ bearbeiten kann, wie das mit E-Mail-Programmen möglich wäre. Auch mit dem Zeichensatz kann es Probleme geben, so dass Sonderzeichen auf einigen Newsreadern nicht korrekt dargestellt werden.

Auf ältere, archivierte Beiträge kann ebenfalls über das WWW zugegriffen werden. Dies ist zum einen wiederum über die Google Groups möglich, zum anderen über die Dienste „NNTP2HTTP“ (http://de.nntp2http.comhttp://de.nntp2http.com (in einem neuen Fenster)) und „WebNews-Exchange“ (http://www.webnews-exchange.comhttp://www.webnews-exchange.com (in einem neuen Fenster)). Die Newsgroup-Beiträge sind jeweils im Volltext durchsuchbar.

Im Usenet gibt es neben der allgemeinen Netiquette einige spezielle Verhaltensregeln, die teilweise technisch begründet sind. Um sicherzustellen, dass jeder unabhängig von der eingesetzten Newsreader-Software eine Nachricht lesen kann, muss die Zeilenlänge auf 72 Zeichen inklusive Leerzeichen begrenzt sein. Dies wird vor allem von Outlook Express nicht eingehalten, weshalb vom Einsatz dieses E-Mail-Programms abzuraten ist. Nachrichten sollten ferner in reinem Text verfasst werden, sprich ohne Textformatierungen, Bildern oder Anhängen. Falls eine Signatur verwendet wird, sollte sie mit „-- “ (zwei Minuszeichen und ein Leerzeichen) abgetrennt werden und nicht länger als 4 Zeilen zu je 80 Zeichen sein. Zitate sollten durch ein vorangestelltes „> “ (Pfeil und Leerzeichen) gekennzeichnet sein. Da eine falsche Zitierweise immer wieder Anlass für Polemik liefert, sollte man auch einen Blick auf http://www.afaik.de/usenet/faq/zitieren/http://www.afaik.de/usenet/faq/zitieren/ (in einem neuen Fenster) werfen. Zu guter Letzt sollte man als Absender seinen vollen Namen angeben und den korrekten Zeichensatz im E-Mail-Programm verwenden, damit Umlaute und Sonderzeichen richtig dekodiert werden. Die geeigneten Zeichensätze für Beiträge in deutscher Sprache sind die westeuopäischen Zeichensätze „ISO-8859-1“ zur korrekten Behandlung von im Deutschen verwendeten Umlauten und Satzzeichen sowie „ISO-8859-15“, falls weitere Sonderzeichen wie das „“-Zeichen hinzukommen.[75] Der Absender und der Betreff sollten hingegen nie Umlaute enthalten. Aufgrund dieser Besonderheiten sollte man zunächst in den eigens dafür eingerichteten Newsgroups „de.test“ und „de.alt.test“ üben, um die korrekten Einstellungen zu finden. Dabei kann man Beiträge automatisch auf problematische Einstellungen überprüfen lassen, wenn man das Wort „check“ in die Betreffzeile setzt. Man erhält dann eine automatisch generierte Antwort mit nützlichen Hinweisen.[76]

Bei der Formulierung einer Frage sollte man bedenken, dass die meisten Newsgroup-Teilnehmer keine professionellen Historiker sind, sondern sich aus Interesse über bestimmte Themen informieren. Die Fragestellung braucht daher nicht so ausgefeilt sein wie bei Mailinglisten, zumal bei allgemeinen Fragestellungen die Wahrscheinlichkeit größer ist, eine Vielzahl brauchbarer Antworten zu bekommen. Wer für ein sehr spezielles Thema recherchiert, sollte daher nach Newsgroups Ausschau halten, die nicht Geschichte allgemein, sondern ein konkretes Teilgebiet abdecken.[77]



[74] Vgl. Klaus Tormählen, „Der Griff zum Strohhalm. News bearbeiten mit Outlook Express unter Windows 98“, 01.08.1999, online unter: http://www1.uni-hamburg.de/RRZ/rzmemo/news993.htmlhttp://www1.uni-hamburg.de/RRZ/rzmemo/news993.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 21.08.2006.

[75] ISO-8859-1 wird auch als Latin-1 bezeichnet, ISO-8859-15 als Latin-9.

[76] Vgl. Thomas Hühn, „FAQ: Newsreader-Übersicht für Einsteiger“, o.J., online unter: http://www.thomas-huehn.de/usenet/newsreaderFAQ.txthttp://www.thomas-huehn.de/usenet/newsreaderFAQ.txt (in einem neuen Fenster), Stand: 03.08.2006, Abruf: 21.08.2006.

[77] Vgl. McMichael 2005, S. 61.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier