II.5.3. Nutzen und Validierung von Online-Enzyklopädien

Grundsätzlich kann bei den Online-Ausgaben renommierter Enzyklopädien eine hohe Qualität erwartet werden. Dies setzt allerdings zweierlei voraus: Zum einen sollten die Artikel das jeweilige Thema vertiefend behandeln und nicht nur eine kurze Definition liefern. Zum anderen sollte man sich an die bewährten Werke halten und populärwissenschaftliche Darstellungen meiden. Neue Angebote wie z.B.Wissen.de“, die beide Kriterien nicht erfüllen, sind für eine wissenschaftliche Recherche wenig geeignet.[52]

Das Hauptproblem bei den meisten Online-Enzyklopädien ist dennoch ein anderes: Der Zugriff auf die Artikel ist nur gegen Bezahlung möglich. Die Beträge, die meist periodisch zu entrichten sind, kann man - gerade für Studenten - auch nicht als niedrig bezeichnen, so dass sich die Frage stellt, ob man für einen solchen Dienst bezahlen soll, gerade wenn man nicht tagtäglich damit recherchiert. In dem Falle ist ein Gang zur Bibliothek und die Konsultation der dort erhältlichen Ausgabe in Buchform der Online-Enzyklopädie vorzuziehen. Dabei muss man freilich in Kauf nehmen, dass man nicht unbedingt die neueste Auflage und damit die aktuellsten Artikel einsehen kann und die manuelle Suche nach Einträgen zu einem Thema mühseliger ist.

Lediglich die Wikipedia-Artikel sind online frei zugänglich. Aufgrund des Prinzips der freien Mitarbeit in der Community sind aber einige Wissensgebiete noch unter-, andere dagegen überrepräsentiert. Die Lücken werden erst allmählich geschlossen. Auch hinsichtlich der Ausführlichkeit der einzelnen Artikel bestehen extreme Unterschiede. Was die Qualität der Informationen anbelangt, so ist deren Einschätzung bei Wikipedia besonders schwierig. Eine eingehendere Diskussion dieser Problematik erfolgt daher im Kapitel „Das Phänomen ‚Wikipedia. Hier sei soviel gesagt, dass die qualitative Bandbreite der Artikel von „hervorragend“ bis „schlecht“ reicht. Gerade bei den Artikeln zu geschichtlichen Themen fehlt oft die Darstellung strittiger Punkte und abweichender Forschungsmeinungen. Das heißt nicht, dass auf Wikipedia nicht auch Informationen gefunden werden können, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Dennoch sollte man, wenn es möglich ist, Wikipedia nicht als alleiniges Zitat verwenden und sich der Problematik, die die besondere Art der Artikelproduktion mit sich bringt, bewusst sein.

Der primäre Nutzen von Online-Enzyklopädien liegt darin, dass sie sich gut als Einstieg in eine Recherche eignen und einen kompakten Überblick zu dem jeweiligen Thema bieten. Zusätzlich zu den auch bei gedruckten Ausgaben vorhandenen Literaturhinweisen können die weiterführenden Links eine wertvolle Hilfe sein.



[52] Vgl. Stuart Jenks/Paul Tiedemann, Internet für Historiker. Eine praxisorientierte Einführung, Darmstadt 22000, S. 60.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier