II.2.3. Nutzen und Validierung von Webkatalogen

Aufgrund der Tatsache, dass Webkataloge redaktionell gepflegt werden, könnte man geneigt sein, den Einträgen in diesen Katalogen eine durchschnittlich höhere Qualität zuzurechnen als denen in Suchmaschinen. Doch gerade aufgrund dieser Annahme ist doppelte Vorsicht geboten. Einerseits konterkarieren die Geschäftsmodelle vieler kommerzieller Webkataloge, bei denen gute Platzierungen gegen bares Geld zu haben sind, die vermeintlich bessere Qualität. Man kann sie durchaus manipulativ nennen. Andererseits hängt die Qualität der Einträge von der Kompetenz der Redaktion ab. Für den Nutzer ist es nicht ersichtlich, wer welche Seite geprüft und für gut befunden hat. Tatsächlich können in den Webverzeichnissen unter der Rubrik "Geschichte" neben wirklich guten Angeboten auch recht zweifelhafte entdeckt werden. Yahoo führt beispielsweise das völlig unkritische und in der Fachliteratur negativ erwähnte Angebot geschi.de.[28] Auch die Tatsache, dass die URL der einzelnen Einträge nicht immer angegeben ist, trägt zu einer mangelnden Transparenz bei.

Es ist klar, dass die Anzahl der gesichteten Seiten bei Webkatalogen viel kleiner ausfällt als bei Suchmaschinen. Ein repräsentatives Abbild der im WWW vorhandenen Angebote zu einem Thema kann so keinesfalls entstehen. Viele qualitativ hochwertige Seiten sind den Webkatalogen schlicht nicht bekannt. Da Websites schnell wieder vom Netz genommen werden können, muss man auch mit toten“ Linksschlage den Begriff „toten“ Links im Glossar nach rechnen. Bei großen Verzeichnissen ist eine ständige redaktionelle Überprüfung aller Links nicht möglich. Problematisch bleibt auch die uneinheitliche Einteilung in Kategorien, welche das Auffinden von Links zu einem bestimmten Teilgebiet nicht gerade vereinfacht. Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass die Mitarbeiter der Webkataloge zumindest anfangs kaum auf bibliothekarisches und dokumentarisches Wissen zurückgreifen konnten.[29]

Aufgrund der Tatsache, dass am Open Document Project eine große Zahl an Freiwilligen mitarbeiten, beinhaltet dieser Webkatalog ein recht umfangreiches Websiteverzeichnis. Am 01.07.2006 verzeichnete es 4.795.742 Websites in insgesamt 711.370 Kategorien.[30] Diese Dimensionen erhöhen andererseits die Gefahr, sich im Verzeichnisbaum zu verirren. Aufgrund seines nichtkommerziellen Charakters ist das Open Directory Project wohl unanfälliger für Manipulationen durch Bezahlmodelle. Dennoch kann auch ein solches Webverzeichnis nicht fehlerfrei sein. Selbst bei unterstelltem guten Willen und Fachkenntnis der Mitarbeiter kann es natürlich passieren, dass die Editierrichtlinien unabsichtlich verletzt werden. Urheberrechtsverletzungen sind beispielsweise nicht immer ersichtlich. Inwieweit die Kontrolle, die über die Community ausgeübt wird, tatsäschlich greift und zu besserer Qualität führt, ist ein Problem, das im Kapitel Das Phänomen ‚Wikipedia eingehender diskutiert werden soll. Jedenfalls sind die Sanktionsmöglichkeiten des Open Directory Project gegenüber seinen Editoren eher beschränkt. Neben dem Entzug der Editierrechte bleiben in schweren Missbrauchsfällen nur rechtliche Schritte.[31]

Abschließend muss die Bewertung von Webverzeichnissen recht negativ ausfallen. Als alleinige Methode der Informationsbeschaffung sind sie ungeeignet. Sinnvoll sind Webverzeichnisse nur zur ergänzenden Suche, auch in Kombination mit Suchmaschinen, wobei die Suche bei spezielleren Themen oft ergebnislos bleibt. Von den meisten kommerziellen Katalogen muss man angesichts der schlechten Suchergebnisse ohnehin abraten. Allein der Katalog „Geschichte im Internet“ ist bei der Recherche eine verlässliche Hilfe und kann auch als Einstieg verwendet werden.



[28] Sowohl Stuart Jenks (2000) als auch Waldemar Grosch (2002) raten vom Besuch dieser Seite ab. Aus diesem Grund wird sie hier nicht verlinkt.

[29] Vgl. Kai Hamdorf, „Wer katalogisiert das Web?“, in: NfD, Bd. 52 (2001), Nr. 5, S. 265.

[30] Vgl. Netscape Communications Corporation, <ODP Monthly Report - June 2006>, online unter: http://research.dmoz.org/publish/chris2001/odp_reports/report_200606.htmhttp://research.dmoz.org/publish/chris2001/odp_reports/report_200606.htm (in einem neuen Fenster), Abruf: 22.07.2006.

[31] Vgl. Netscape Communications Corporation, <Open Directory: Editierrichtlinien. Kommunikation und Verhaltensregeln>, online unter: http://dmoz.org/World/Deutsch/guidelines/communication.htmlhttp://dmoz.org/World/Deutsch/guidelines/communication.html (in einem neuen Fenster), Abruf: 22.07.2006.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier