II.2.1. Benutzung von Webkatalogen

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Webkataloge abzufragen. Zum einen kann man sich durch den Kategorienbaum klicken, bis man die gewünschte Kategorie, in der man passende Einträge vermutet, gefunden hat. Problematisch ist dabei, dass man sich leicht im Verzeichnisbaum verlieren kann und zu einem bestimmten Thema gehörige Seiten in der Regel auf mehrere Kategorien verteilt sind. Es kann auch vorkommen, dass eine Seite von den Redakteuren anders eingeordnet wurde, als man dies selbst getan hätte. Das liegt an der Unmöglichkeit, Kategorien überschneidungsfrei zu definieren. Zum anderen steht normalerweise eine Suchmaschine zur Verfügung, die nur die Einträge des Webkatalogs selbst durchsucht. Die Suchanfragen können ähnlich formuliert werden, wie man es für „normale“ Suchmaschinen machen würde, also beispielsweise mit boole'schen Operatoren verfeinert werden. Neben der Möglichkeit, die Suche auf die Kategorie einzuschränken, in der man sich gerade befindet, bieten die Webkatalogbetreiber eine erweiterte Suche an, die noch mehr Einstellungen erlaubt. An dieser Stelle soll darauf nicht näher eingegangen werden, da diese Optionen selbsterklärend sind.

Die Trefferliste selbst ist bei Webkatalogen meist alphabetisch sortiert. Hier ist negativ anzumerken, dass praktisch alle Webkataloge bei der manuellen Suche im Verzeichnisbaum die URL der gelisteten Seiten nicht angeben. Nur bei der Benutzung der Suchfunktion werden diese sichtbar.

Bei der Benutzung eines Webkatalogs muss beachtet werden, dass er standardmäßig nur solche Seiten listet, die in derselben Sprache verfasst sind wie die Oberfläche des Webkatalogs. Das deutsche Yahoo-Webverzeichnis enthält z.B. nur deutsche Seiten, was für eine wissenschaftliche Recherche oft nicht ausreicht. Um auch englische oder spanische Seiten zu finden, muss man zur englischen bzw. spanischen Version des Yahoo-Webverzeichnisses wechseln. Dies macht die Suche natürlich noch umständlicher. Allein das Open Directory Project startet mit einer internationalen Kategorienübersicht und erlaubt auf der Startseite sowie innerhalb jeder Kategorie die Auswahl einer Sprache und damit eine Einschränkung der Treffer. Eine Suche über Sprachgrenzen hinweg ist hier leichter möglich.

Große Unterschiede zwischen den einzelnen Webkatalogen gibt es beim Aufbau des Kategorienbaumes. Bei Yahoo sind die meisten Seiten zur Geschichte in der Kategorie Forschung und Wissenschaften > Geisteswissenschaften > Geschichtehttp://de.dir.yahoo.com/Forschung_und_Wissenschaften/Geisteswissenschaften/Geschichte/ (in einem neuen Fenster) zu finden, bei Lycos unter Bildung & Wissenschaft » Wissensgebiete » Mensch & Gesellschaft » Geschichtehttp://webkatalog.lycos.de/100539/?path=100-539-2481-3610-2506 (in einem neuen Fenster), bei Web.de hingegen unter Bildung & Wissenschaft -> Forschung & Lehre -> Geisteswissenschaften -> Geschichtehttp://dir.web.de/Bildung+%26+Wissenschaft/Forschung+%26+Lehre/Geisteswissenschaften/Geschichte/ (in einem neuen Fenster). Manche speziellere Kategorien sind auch nur in einem nationalen Ableger eines Webkatalogs zu finden. Im englischen Yahoo-Verzeichnis wurde z.B. eine eigene Kategorie zum Bauernaufstand von 1381 angelegt. Im deutschen Katalog existiert kein Pendant dazu. Bei der Benutzung der internen Suchmaschine listen zumindest das Open Directory Project und Yahoo nicht nur Einzeltreffer, sondern auch die Kategorien auf, deren Name zur Suchanfrage passt. Oft sind dort noch weitere passende Einträge vorhanden, die von der Suche nicht gefunden wurden. Yahoo setzt hinter den Namen einiger Kategorien ein @. Dies bedeutet lediglich, dass diese Kategorie von mehreren Stellen im Kategorienbaum aus verlinkt ist.

Der Katalog „Geschichte im Internet“ ist hingegen völlig anders aufgebaut. Die Hauptkategorien beziehen sich hier auf verschiedene Teildisziplinen, Epochen und Online-Hilfsmittel der Geschichtswissenschaft. Die Unterkategorien, die eine bestimmte Epoche behandeln, sind dabei annähernd gleich aufgebaut und enthalten einerseits unter „Ausgewaehlte Angebote“ (sic!) Links zu einzelnen Websites, daneben aber zahlreiche Kategorien für Verweise auf Bibliografien, Datenbanken, Zeitschriften, Diskussionsforen, Nachschlagewerke und Institutionen, aber auch einführende Online-Tutorien. Die Anzahl der Links auf Seiten, die nur ein spezielles Thema behandeln, ist hier eher gering, dafür sind viele qualitativ hochwertige Online-Hilfsmittel wie Portale, Nachschlagewerke und Literaturdatenbanken aufgeführt. Die über Searchhttp://www.geschichte.fb15.uni-dortmund.de/CGI/links/search.cgi (in einem neuen Fenster) aufrufbare Suchfunktion erlaubt keine direkte Eingabe von boole'schen Operatoren, dafür kann bei den Suchoptionen ausgewählt werden, ob alle in das Suchfeld eingegebenen Begriffe mit UND bzw. ODER verknüpft werden sollen. Bei einer Suche nach einem exakten Begriff muss die Option „als Phrase“ anstelle von „als Schlagwort“ markiert werden.

Abbildung II.2.1. Bildschirmausschnitt: Kategorienübersicht des Katalogs „Geschichte im Internet“ (12.09.2006)

Bildschirmausschnitt: Kategorienübersicht des Katalogs „Geschichte im Internet“

Die Relevanz der Webverzeichnis-Einträge sollen zwei kleine Beispielrecherchen zeigen. Dabei wurde mit Hilfe des Open Directory Project sowie den Webkatalogen von Yahoo, Web.de und Lycos nach König Friedrich I. in Preußen und nach Seiten zur Inquisition gesucht.[23] Die Suche über Yahoo beschränkte sich auf deutsche und englische Seiten, da eine Recherche in sämtlichen länderspezifischen Yahoo-Versionen nicht praktikabel ist und somit auch in der Praxis nicht durchgeführt werden würde. Web.de hingegen ist ohnehin nur auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Beim Open Directory Project wurde hingegen über die Sprachgrenzen hinaus gesucht. Zur Recherche wurde jeweils die interne Suchfunktion verwendet, um auch solche Einträge zu finden, die nicht in der erwarteten Kategorie eingeordnet sind. Der Katalog „Geschichte im Internet“ lieferte zu diesen Themen leider keine Links.

Bei der Suche nach Friedrich I. lieferte das Open Directory Project keinen einzigen zum Thema passenden Treffer, ebenso der Lycos-Webkatalog. Das deutsche Yahoo-Webverzeichnis lieferte eine recht brauchbare Seite der Universität Paderborn, die unter Geschichte > Deutsche Geschichte > Regional > Preußen > Persönlichkeitenhttp://de.dir.yahoo.com/Forschung_und_Wissenschaften/Geisteswissenschaften/Geschichte/Deutsche_Geschichte/Regional/Preussen/Persoenlichkeiten/ (in einem neuen Fenster) eingeordnet war. Leider setzte Yahoo einige kommerzielle Links über die eigentliche Trefferliste. Die Suche im englischen Yahoo-Webverzeichnis (http://dir.yahoo.comhttp://dir.yahoo.com (in einem neuen Fenster)) blieb hingegen ohne Ergebnis, trotz der Übersetzung des Namens Friedrich in „Frederick“ bei der Formulierung der Suchanfrage. Web.de brachte 5 vermeintliche Treffer zu Tage. Allerdings waren alle unbrauchbar. Besonders ärgerlich war, dass nicht nur 2 kommerzielle Links, welche zudem nur schlecht sichtbar als „Partnerlink“ markiert waren, vor die eigentliche Trefferliste gesetzt wurden, sondern die Trefferliste selbst auch von einer Eigenwerbung von Web.de unterbrochen war.

Die Suche nach „Inquisition“ ergab bei Web.de neben einem Verweis auf eine Rockoper über das Leben Galileis nur einen Link zur privaten Website von Sascha Ragg, auf der allerdings 2 Seminare der Universität Konstanz zu diesem Thema samt Linkliste und Referaten zum Download verlinkt waren. Unter den 4 über Lycos ermittelten Treffern war neben einer Website für Liebhaber von Netzwerk-Spielen und dem Mittelalterlichen Foltermuseum in Rüdesheim am Rhein auch 2 Seiten mit ausführlichen Informationen zur Inquisition. Dies waren „katharer.de“ und eine kritische Seite über Päpste und kirchliche Führung, bei der allerdings der Verantwortliche nicht ermittelt werden konnte. Die Suche im deutschen Yahoo-Webverzeichnis brachte immerhin 4 Treffer, darunter allerdings ein Link zur „Giordano Bruno Gesellschaft e.V.“ und einer zur „Würzburger Initiative Mahnmal für Kirchen-Opfer“. Yahoo verwies außerdem auf die Kategorie Gesellschaft und Politik > Religion > Christentum > Geschichte > Inquisitionhttp://de.dir.yahoo.com/Gesellschaft_und_Politik/Religion/Christentum/Geschichte/Inquisition/ (in einem neuen Fenster), unter der zusätzlich ein PDF-Dokument über die Ketzerkonstitution Gregors IX. zu finden war. Weit mehr lieferte der englische Yahoo-Webkatalog mit 24 Treffern, darunter zahlreiche universitäre Seiten, beispielsweise Texte aus der Online-Textsammlung „Internet History Sourcebooks Project“, aber auch einige fachfremde oder tendenziöse Seiten sowie einen Verweis auf einen Wikipedia-Artikel über eine Exekutionsmethode. Ganze 60 Treffer lieferte eine Suche im Open Directory Project, von denen aber die meisten nichts mit der historischen Inquisition zu tun hatten. Allerdings ermittelte die Suchfunktion auch zur Suchanfrage passende Kategorien, in denen 20 Treffer zum Thema zu finden waren. Diese Kategorien waren Society: Religion and Spirituality: Christianity: Church History: Inquisitionshttp://dmoz.org/Society/Religion_and_Spirituality/Christianity/Church_History/Inquisitions/ (in einem neuen Fenster), Society: Religion and Spirituality: Christianity: Denominations: Catholicism: History: By Topic: Inquisitionhttp://dmoz.org/Society/Religion_and_Spirituality/Christianity/Denominations/Catholicism/History/By_Topic/Inquisition/ (in einem neuen Fenster) und Society: Religion and Spirituality: Christianity: Denominations: Catholicism: History: By Region: Europe: Spain: Inquisitionhttp://dmoz.org/Society/Religion_and_Spirituality/Christianity/Denominations/Catholicism/History/By_Region/Europe/Spain/Inquisition/ (in einem neuen Fenster). Dabei wird deutlich, dass ein manuelles Durchsuchen des Verzeichnisbaums, sofern man die richtige Kategorie überhaupt findet, nur unvollständige Ergebnisse liefert. Dass auch bei den redaktionell gepflegten Webkatalogen Vorsicht geboten ist, zeigt ferner der Umstand, dass das Open Directory Project auf Seiten verwies, die man durchaus als zweifelhaft bezeichnen kann. So war auf einer dezidiert katholischen Seite die Aussage „The Spanish people loved their Inquisition[24] zu lesen.

Bei Recherchen nach spezielleren Themen stoßen die Webkataloge jedoch kollektiv an ihre Grenzen. Suchen nach Informationen zu den oberitalienischen Signorien, der sizilianischen Vesper oder Alfons de Borja ergaben keinen einzigen Treffer, nicht einmal unter den italienischen Katalogen. Lediglich das Open Directory Project fand bei der Suche nach „Alfons de Borja“ einen katalanischen Text, bei der Suche nach „Calixt“ kam noch ein weiteres, ebenfalls katalanisches Angebot hinzu. Diese beiden Links gehörten zur Kategorie World: Català: Societat: Religió i espiritualitat: Cristianisme: Catòlic: Papeshttp://dmoz.org/World/Catal%c3%a0/Societat/Religi%c3%b3_i_espiritualitat/Cristianisme/Cat%c3%b2lic/Papes/ (in einem neuen Fenster).

Anzumerken ist noch, dass Yahoo bei einer ergebnislosen Suche im Webkatalog ungefragt auf die „normale“ Suchmaschine zurückgreift. Dass die dann erscheinenden Treffer nicht aus dem Webverzeichnis stammen, ist schwer ersichtlich.



[23] Datum der Recherche war der 12.09.2006. Eine qualitative Bewertung der Ergebnisse wurde diesmal wegen der geringen Anzahl an Treffern versucht.

[24] Thomas F. Madden, „The Truth about the Spanish Inquisition“, in: Crisis, Bd. 21 (2003), Nr. 9, online unter: http://www.catholicculture.org/docs/doc_view.cfm?recnum=5236http://www.catholicculture.org/docs/doc_view.cfm?recnum=5236 (in einem neuen Fenster), Abruf: 01.08.2006.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier