Kapitel I.1. Online-Recherche als neue Kulturtechnik

Dass das Internetschlage den Begriff Internet im Glossar nach und speziell das WWWschlage den Begriff WWW im Glossar nach seit Mitte der 1990er Jahre eine beinahe beispiellose Erfolgsgeschichte verzeichnet, ist kein Wunder, betrachtet man die vielen Vorteile, die es den Menschen im Alltag bietet. Rund um die Uhr und unabhängig vom Ort ist Kommunikation und Informationsbeschaffung zu verschiedensten Wissensgebieten möglich, dies zudem in ansprechender, multimedial aufbereiteter Form. Doch schon innerhalb dieser 10 Jahre hat sich die Art, wie das Internet benutzt wird, grundlegend geändert. War anfangs noch ein hauptsächlich durch Neugier geleitetes, zielloses Umherstreifen zwischen den Angeboten vorherrschend, geht der Internet-Nutzer des 21. Jahrhunderts gezielt auf Suche. Die Online-Recherche ist dadurch zu einer neuen Kulturtechnik geworden.[2]

Das Potential des Netzes für die Wissenschaft ergibt sich gleichsam aus seinen technischen Charakteristika. Musste man sich früher durch die Findbücher der Archive quälen und Fachliteratur vor Ort in den Bibliotheken mit Hilfe von Karteikästen und Microfichen suchen, ist die Recherche nach Quellen und Literatur heute nicht nur schneller, sondern auch unabhängig von Zeit und Ort durchführbar.[3] Um aber von der Informationsflut des Netzes nicht erschlagen zu werden und verwertbare Ergebnisse zu erhalten, bedarf es einer konkreten Suchstrategie und der Fähigkeit, die zur Verfügung stehenden Recherche-Hilfsmittel effektiv einzusetzen.



[2] Vgl. Michael Schetsche/Kai Lehmann/Thomas Krug, „Die Google-Gesellschaft. Zehn Prinzipien der neuen Wissensordnung“, in: Kai Lehmann/Michael Schetsche (Hg.), Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens, Bielefeld 2005, S. 17.

[3] Vgl. Natascha Thomas, „Wissenschaft in der digitalen Welt“, in: Kai Lehmann/Michael Schetsche (Hg.), Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens, Bielefeld 2005, S. 315.

„Wer sucht, der findet - oder auch nicht.“PDF-VersionCopyright © 2006 Christoph Bichlmeier